Zuchtgedanken

Ich züchte von Anfang an im VDH, da die Anforderungen, die der KTR/VDH an seine Züchter stellt, für mich kein Problem darstellen. Viele nennen die Regeln der Zuchtordnung des KTR/VDH streng, für mich  bedeuten sie ein absolutes Mindestmaß an Resepekt gegenüber unseren Zuchthündinnen. Sie könnten gern strenger sein. Weder für meine Hunde noch für mich bedeutet es Mühe, alle vorgeschriebenen Untersuchungen (und mehr) zur Zuchtzulassung durchführen zu lassen.

Meine einzige Hündin, die aktuell in der Zucht ist, ist meine Ayusha (4). Sie hatte mit knapp vier Jahren ihren ersten Wurf mit acht Welpen. Die Welpen sind im Dezember 2020 ausgezogen. Ihre Mutter, Bumo, hatte drei Würfe mit insgesamt 15 Welpen. Das ist, so finde ich, genug. Mein Bubuchen ist somit mit sieben Jahren schon in ihrer wohlverdienten "Zuchtrente", bleibt aber selbstverständlich, so wie meine Elsa, die inzwischen fast 13 ist, bei mir!

Laut der Zuchtordnung unseres Zuchtvereins, dem KTR/VDH wären sogar sechs (sechs!!!) Würfe pro Hündin erlaubt. Mehr als zwei Würfe innerhalb von 24 Monaten sind nicht gestattet. Das Mindestalter für den ersten Wurf beträgt 18 Monate. Bei mir wird keine Hündin vor ca. 30 Monaten gedeckt. Nach maximal vier Würfen oder ca. 16 Welpen ist Schluss.

Nach meiner persönlichen Auffassung ist es einer Hündin keinesfalls zuzumuten, zwei Läufigkeiten nacheinander gedeckt zu werden. Dies würde in den meisten Fällen wesentlich weniger als ein Jahr Pause zwischen zwei Würfen bedeuten, oft sogar nur sieben oder acht Monate, für mich ein absolutes No-go, egal wie groß der Wurf war. Meiner Meinung wäre dies pure Vermehrung, aber keine gewissenhafte und vernünftige Zucht. Aus diesem Grund ist bei mir erst wieder 2022 ein Wurf geplant. Yushi hat, nachdem sie acht wundervolle Welpen großgezogen hat, eine lange Babypause und Regenerierungsphase verdient, in der sie einfach nur toben und spielen darf, ohne sich um die auch für eine Hündin anstrengende Aufzucht ihrer Babys zu kümmern. Meine Hunde sind keine Zuchtmaschinen, sondern vollwertige Familienmitglieder.

Ich weiß, dass viele Züchter dies anders handhaben. Vor allem bei der aktuell enorm großen Nachfrage nach kleinen Tibet Terrier-Welpen ist es natürlich verlockend, die Hündin so oft wie möglich decken zu lassen, aber ein wirklich seriöser Züchter liebt seine Hündinnen über alles. Sie sind Teil seiner Familie. Die Gesundheit seiner "Mädels"  ist ihm wesentlich mehr wert als eine Menge Welpen und das "schnelle Geld". Ab und an plane ich mit viel Enthusiasmus einen Wurf. Schon allein das Auswählen des perfekten Deckrüden dauert Monate...  Die Welpen werden quasi in meine Hand hinein geboren. Sie bis zu ihrem Auszug in ihre „Forever-Homes“ zu betreuen macht mich einfach glücklich.  Der Kontakt mit den Welpenfamilien über ein ganzes langes Hundeleben hinweg ist mir ausgesprochen wichtig und ich freue mich immer über Nachrichten und Fotos „meiner“ Babys.

Meine Tibet Terrier-Zucht ist mein Hobby. Hobbys, egal ob es nun Reiten, Tennis, Golfen oder Verreisen ist, kosten nun einmal Geld. Und mit seriöser Hobby-Hundezucht kann man kein Geld verdienen.

Zur Zuchtzulassung müssen die Zuchthunde bei zwei vom KTR ausgerichteten VDH-Ausstellungen jeweils die Formwertnote „Sehr gut“ erhalten. Ich persönlich würde nur mit Hunden züchten, die mindestens zwei Mal mit "vorzüglich“ bewertet wurden.  Ausstellungen sagen nichts über die Gesundheit und den Charakter der Hunde aus, aber doch über den Phänotyp, also das äußerliche Erscheinungsbild. Und dieses sollte meiner Meinung nach dem Rassestandard sehr nahe kommen.

Laut der KTR/VDH-Zuchtordnung ist eine Verpaarung eines HD-C-Hundes mit einem HD-A-Hund gestattet. Es ist erwiesen, dass HD erblich ist und somit wäre eine solche Verpaarung für mich ausgeschlossen.

Die Fellfarbe „braun“, verbunden mit einer braunen Nase, wird beim Tibet Terrier als Fehlfarbe angesehen und bedeutet daher einen Zuchtausschluss. Da ich mir bei jedem Wurf die Option offen halten möchte, eventuell einen Welpen zur weiteren Zucht für mich zu behalten, sind meine Hündinnen auf die braune Fellfarbe getestet und ich kann von vornherein Fehlfarben bei den Welpen ausschließen. Wichtig ist, dass die Fellfarbe braun absolut nichts mit der Gesundheit eines Hundes zu tun hat. Die braunen Tibis sehen sogar recht drollig aus. Hier geht es schlicht und einfach um die Optik und den Rassestandard. Ein Dalmatiner ohne Punkte sieht auch nicht aus wie ein Dalmatiner. Und Rottweiler sind nicht gescheckt. Inzwischen werden jedoch speziell braune TT „gezüchtet“ und für horrende Preise als etwas ganz Besonderes angepriesen. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nicht um VDH-Zuchten.


Oft lese ich den Satz: „Auch der Papa des Wurfes lebt bei uns“. Dies muss kein Qualitätsmerkmal für eine besonders tolle Zucht sein, vor allem nicht, wenn der Rüde immer wieder und wieder für alle eigenen Hündinnen verwendet wird. Eine Wurfwiederholung mit demselben Rüden ist beim KTR grundsätzlich nur einmal zulässig. Außerdem stelle ich mir immer die arme Hündin vor, wie sie während ihrer Läufigkeit –zig Mal von dem Rüden gedeckt wird…(damit es besonders viele Welpen gibt). Mir ist es wichtiger, verschiedene Würfe zu haben, was nicht ausschließt, dass ich einen ganz besonders tollen Wurf wiederholen würde. Ich würde zum Decken bis ans Ende der Welt reisen, wenn genau dort der Rüde meiner Träume lebt!

Bei Züchtern, die nicht im VDH züchten, stellt sich mir immer wieder die Frage: Wer nimmt die Würfe ab? Wer kontrolliert die Zuchtstätte? Wer wertet die Untersuchungsergebnisse aus, speziell die HD-Ergebnisse? Schon oft fand der eine oder andere Züchter und auch sein Tierarzt eine Hüfte wunderbar, aber das niederschmetternde Ergebnis der zentralen Auswertungsstelle lautete dann „C“. Wer führt die Augenuntersuchungen durch? Werden alle Gentests durchgeführt?


Ich empfehle allen Welpenkäufern, sich alle Untersuchungsergebnisse vorlegen zu lassen. Ein Züchter, der nichts zu verbergen hat, wird Ihnen immer sehr gern alle Unterlagen zur Verfügung stellen.

VDH-Züchter 2021

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